Datenschutz

Pflichtenheft für Drohnenpiloten

Gefährdung des Flugverkehrs, Störung der Privatsphäre: Zwischenfälle mit Drohnen häufen sich. Kein Wunder: Die Zahl der Miniflugobjekte, die schweizweit über die Ladentische gehen, hat sich innert kurzer Zeit verzehnfacht. Obwohl Drohnenpiloten hierzulande zurzeit noch keinen Flugschein benötigen, müssen sie vor dem Jungfernflug ihre rechtlichen und versicherungstechnischen Pflichten kennen. JUSTIS hat für Sie die wichtigsten Punkte herausgepickt.

Kühn fliegen, tolle Ferienfotos und -filme machen, Eltern und Kinder gleichermassen begeistern: Drohnen können so einiges und sind dementsprechend beliebt. Die Zahl der Multikopter, die schweizweit über die Ladentische gehen, hat sich innert kurzer Zeit verzehnfacht. Auch das Angebot an unbemannten Luftfahrtgeräten wächst. Doch weil die Auswahl zunimmt, ist auch die Handhabung schwieriger. Denn es gibt mittlerweile faltbare Drohnen im praktischen Taschenformat und solche, die einige Kilos auf die Waage bringen. JUSTIS hat für Sie eine Checkliste erstellt, damit Sie aus rechtlicher und versicherungstechnischer Sicht mit ihrem ferngesteuerten Flugobjekt im Luftraum auf der sicheren Seite fliegen.

Bewilligungen: Ausschlaggebend ist das Gewicht

<30 Kilogramm: Für Drohnen bis zu einem Gewicht von 30 Kilogramm benötigen Sie keine Bewilligung. Die Verordnung über Luftfahrzeuge besonderer Kategorien (VLK), denen Drohnen unterstehen, schreibt aber vor, dass Sie zu Ihrer Drohne jederzeit Sichtkontakt haben müssen. Und zwar mit blossem Auge und nicht etwa mit Hilfe eines Feldstechers. Im Umkreis von 100 Metern darf zudem keine Menschenansammlung überflogen werden. Als Ansammlung gilt eine Gruppe von mehr als 24 Personen.

>30 Kilogramm: Für Drohnen mit mehr als 30 Kilogramm Gewicht brauchen Sie eine Bewilligung des Bundesamts für Zivilluftfahrt (Bazl). Dieses legt die Bedingungen für die Zulassung und den Betrieb fest. Da die Zahl der Anfragen zurzeit hoch ist, muss mit einer Bearbeitungsdauer von mindestens drei Monaten gerechnet werden. Die Kosten für eine allfällige Bewilligung betragen je nach Aufwand zwischen 50 und 5'000 Franken.

Rücksichtsvoll und sicher fliegen

Weil Minifluggeräte eine vollautomatische Steuerung besitzen, denken viele, dass ein Drohnenflug ein Kinderspiel sei. Das Bazl mahnt Drohnenpiloten aber dringlich zur Vorsicht. Wenn die Automatik etwa ausfalle, müssten die Multikopter dennoch sicher zur Landung gebracht werden. Tiefe Temperaturen und starker Wind brächten die Leichtgewichte in der Luft ebenfalls schnell einmal ins Trudeln. Und um Pannen auszuschliessen, sollten Drohnen und insbesondere ihre Rotoren vor jedem Start einem gründlichen Check unterzogen werden. Auch bei einer kleineren Drohne können die hochdrehenden Rotoren zu schweren Schnittverletzungen führen und beim Absturz Personen am Boden verletzen. Ebenso geraten Tiere durch tief fliegende Drohnen gerne in Panik, was zu Sekundärschäden führen kann. Da ausserdem der Pilot eines bemannten Luftfahrzeuges eine kleine Drohne in der Regel nicht frühzeitig erkennen kann, muss der Drohnenpilot jederzeit ausweichen können und immer genügend Distanz zu den Luftfahrzeugen wahren. Dieses Prinzip nennt man im Fachjargon «see and avoid». Das Bazl hat für Drohnenpiloten einen Drohnenguide und ein Drohnenquiz aufgeschaltet, mit dem das eigene Wissen getestet werden kann.

Einhaltung der Privatsphäre

Für den Betrieb von Drohnen gelten das Datenschutzgesetz und die zivilrechtlich verankerten Schutzrechte der Privatsphäre. Daher ist es untersagt, mit Drohnen tief über Privatgrundstücke oder über öffentliche Plätze zu fliegen, etwa Badeanstalten, Fussballfelder oder Hochzeitsgesellschaften. Grundsätzlich dürfen Menschen ungefragt weder fotografiert, gefilmt, noch mit der Drohne überwacht oder verfolgt werden.

Einschränkungen im öffentlichen Luftraum

Im Umkreis von fünf Kilometern rund um Flugplätze und Heliports braucht es für den Betrieb einer Drohne vorgängig eine Bewilligung entweder durch den Flugplatzhalter oder bei grösseren Flugplätzen durch die Flugsicherung Skyguide.

In Naturschutzreservaten, Jagdbanngebieten sowie Wasser- und Zugvogelreservaten dürfen keine Drohnen steigen gelassen werden. Auch in der Nähe von Blaulichteinsätzen darf nur mit Bewilligung des Einsatzleiters geflogen werden. Klären Sie bei den lokalen Behörden (Kantone/Gemeinden) auch ab, ob es weitergehende Einschränkungen gibt (zum Beispiel: Flugverbot beim WEF in Davos).

Über Einschränkungen der Einsatzgebiete gibt die Flugzonen-Karte des Bazl Auskunft. Die Karte kann auch in der App «Swiss Map Mobile» aufgerufen werden.

Versicherungsschutz

Selbst eine Minidrohne kann schnell einmal einen Schaden anrichten. Deshalb empfehlen wir allen Drohnenbesitzern dringend, den Versicherungsschutz der eigenen Haftpflichtversicherung vor dem Jungfernflug abzuklären. Für Drohnen, die mehr als 500 Gramm wiegen, ist eine Haftpflichtversicherung mit einer Deckungssumme von 1 Million Schweizer Franken obligatorisch. 

Strengere Regeln für Schweizer Drohnenpiloten im Anflug

Bis anhin genossen Drohnenpiloten am Schweizer Himmel mehr Freiheiten als ihre Kollegen im angrenzenden Ausland. Noch 2019 will der Bundesrat jedoch strengere EU-Regeln einführen. So soll eine Kennzeichnungspflicht für Drohnen ab 250 Gramm eingeführt werden. Vorgesehen ist, dass Drohnenpiloten ihren Multikopter vor dem ersten Flug über ihr Smartphone registrieren können. Die Lizenz zum Fliegen soll neu ausserdem in einem E-Learning-Kurs erworben werden. Weiter entwickelt die Flugsicherung Skyguide zurzeit mit anderen Partnern U-Space, ein nationales Luftverkehrsmanagement. Es soll in Zukunft ermöglichen, Drohnenpiloten zu identifizieren, den Drohnenverkehr zu regeln und die Drohnen im Luftverkehr technisch sichtbar zu machen. Da der Luftraum international geregelt wird, hofft das Bazl, dass das Schweizer Luftverkehrsmanagement auch in der europäischen Union Anklang finden wird. (Quellen: SRF und 20 Minuten)

Gepostet am 26. März 2019