Kids mit Velo auf der Strasse: Ab wann ist’s erlaubt?

Eine gemütliche Sonntagsvelotour: Mami, Papi, zehnjähriger Sohn, fünfjährige Tochter. Dürfen die Kids auf der Strasse fahren? Alleine oder in Begleitung? Was gilt rechtlich? Und wer bezahlt, wenn das Kind mit dem Velo Schaden anrichtet, zum Beispiel einen Fussgänger anfährt?

Auf einen Blick

  • Unter zwölf dürfen Kinder ohne Radweg oder Radstreifen vorsichtig auf dem Trottoir fahren; Erwachsene nicht.

  • Unter sechs braucht es auf Hauptstrassen Aufsicht.

  • Haftung und Versicherungsdeckung sind konkret zu prüfen.

Kinder mit dem Velo: Ab welchem Alter dürfen sie fahren?

Kinder dürfen ein Fahrrad benutzen, wenn sie die Pedale treten können. Auf Hauptstrassen dürfen Kinder unter sechs Jahren nur unter Aufsicht einer mindestens 16-jährigen Person fahren. Diese Mindestregel sagt noch nicht, ob ein Kind eine bestimmte Strecke sicher bewältigt. Üben Sie Bremsen, Lenken und Verkehrsregeln zunächst in geschützter Umgebung.

Dürfen Kinder unter zwölf auf dem Trottoir Velo fahren?

Ja, wenn kein Radweg oder Radstreifen vorhanden ist. Sie müssen Fussgängerinnen und Fussgängern den Vortritt lassen und vorsichtig fahren. Erwachsene Begleitpersonen dürfen diese Ausnahme nicht selbst nutzen. Mit dem zwölften Geburtstag endet sie; andere signalisierte Erlaubnisse sind gesondert zu beachten.

Spielzeugvelo oder Fahrrad: Welche Regeln unterscheiden sich?

Kinderräder für das Vorschulalter können als fahrzeugähnliche Geräte gelten. Die rechtliche Einordnung hängt vom Gerät ab, nicht allein vom Namen «Kindervelo». Für solche Geräte gelten eigene Regeln: Als Verkehrsmittel dürfen sie etwa auf Fussverkehrsflächen und Radwegen, in Tempo-30- und Begegnungszonen sowie unter engen Voraussetzungen auf verkehrsarmen Nebenstrassen benutzt werden.

Fussverkehr hat Vortritt. Die Fahrweise muss angepasst werden; über die Fahrbahn geht es im Schritttempo. Auf der Fahrbahn ist rechts zu fahren. Nachts und bei erforderlichen Sichtverhältnissen sind auf Fahrbahn und Radwegen ein weisses Licht nach vorn und ein rotes nach hinten nötig. Die Regeln für ein gewöhnliches Fahrrad sind davon zu unterscheiden. Ein passender Helm ist für Kinder dringend empfehlenswert.

Kind fährt jemanden an: Wer haftet?

Urteilsfähigkeit wird für die konkrete Handlung beurteilt, ohne feste Altersgrenze. Ist das Kind urteilsfähig, kommt bei den weiteren Voraussetzungen eine eigene Haftung infrage. Eltern haften nicht automatisch; nach Art. 333 ZGB ist die gebotene Aufsicht zu prüfen. Auch besondere Haftungsgrundlagen, etwa eine ausnahmsweise Billigkeitshaftung nach Art. 54 OR, können relevant sein.

Übernimmt die Privathaftpflicht einen Velounfall?

Das hängt von Haftung, versicherten Personen und Bedingungen ab. Manche Policen sehen Leistungen für Schäden nicht urteilsfähiger Kinder vor. Klären Sie dies vorab. Nach einem Unfall helfen Angaben zum Ablauf, Fotos, Zeugen und eine rasche Meldung. Versprechen Sie keine ungeprüfte persönliche Kostenübernahme.

JUSTIS Tipp
Sichere Strecke wählen und Haftpflicht klären

Üben Sie die Strecke mit Ihrem Kind und prüfen Sie Bremsen, Sichtbarkeit und Helm. Klären Sie die Privathaftpflichtdeckung. Nach einem Unfall dokumentieren Sie den Ablauf und melden Sie ihn rasch.

Gepostet am 24. Mai 2017