Ein Strafregisterauszug wird etwa bei Bewerbungen, für Tätigkeiten mit Kindern oder für ein Visum verlangt. Er enthält besonders schützenswerte Personendaten und ist deshalb kein Dokument, das Arbeitgeber, Vermieter:innen oder Vereine vorsorglich von allen Personen einfordern sollten. Entscheidend sind der konkrete Zweck, die Tätigkeit und die richtige Auszugsart. Wer einen Auszug vorlegen soll, darf deshalb nachfragen, weshalb er benötigt wird, wer ihn sieht und wie lange er aufbewahrt wird.
Auf einen Blick
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Für Privatpersonen gibt es den Privatauszug und den Sonderprivatauszug. Der Sonderprivatauszug zeigt nur bestimmte bestehende Berufs-, Tätigkeits-, Kontakt- oder Rayonverbote.
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Ein Arbeitgeber darf einen Strafregisterauszug nicht systematisch verlangen. Die Angaben müssen für die konkrete Stelle erforderlich und verhältnismässig sein.
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Beide Auszüge kosten amtlich CHF 17. Bestellen Sie nur über das Bundesamt für Justiz oder persönlich am Postschalter und prüfen Sie kostenpflichtige Drittangebote sorgfältig.
Welche Strafregisterauszüge gibt es?
Das Bundesamt für Justiz führt das Strafregister-Informationssystem VOSTRA. Für Privatpersonen gibt es zwei verschiedene Auszüge. Behörden verfügen daneben je nach gesetzlicher Aufgabe über eigene Zugriffs- und Auskunftsrechte. Ein «Behördenauszug» ist deshalb keine dritte Variante, die Privatpersonen für Bewerbungen oder andere private Zwecke bestellen können.
Privatauszug
Der Privatauszug enthält hauptsächlich Urteile wegen Verbrechen und Vergehen von Erwachsenen sowie die dazugehörigen nachträglichen Entscheide, solange die gesetzlichen Fristen für das Erscheinen im Auszug laufen. In wenigen gesetzlich geregelten Fällen können auch Jugendurteile oder andere Entscheide erscheinen. Der Privatauszug bildet nicht sämtliche noch in VOSTRA gespeicherten Daten ab.
Sonderprivatauszug
Der Sonderprivatauszug ist kein umfassenderer Privatauszug. Er zeigt ausschliesslich Urteile mit einem Berufs- oder Tätigkeitsverbot oder mit einem Kontakt- und Rayonverbot, wenn das Verbot dem Schutz von Minderjährigen, anderen besonders schutzbedürftigen Personen oder Patient:innen im Gesundheitsbereich dient. Das Urteil erscheint, solange das betreffende Verbot besteht.
Bestellt werden darf er nur für eine berufliche oder organisierte ausserberufliche Tätigkeit mit regelmässigem Kontakt zu Minderjährigen oder besonders schutzbedürftigen Personen oder für eine Tätigkeit im Gesundheitsbereich mit direktem Patientenkontakt. Dafür braucht es eine schriftliche und unterzeichnete Bestätigung des Arbeitgebers, des Vereins, der Organisation oder der Bewilligungsbehörde.
Zugriff von Behörden
Strafverfolgungs-, Einbürgerungs-, Bewilligungs- und andere Behörden können im gesetzlich vorgesehenen Umfang selbst Informationen aus VOSTRA erhalten. Ob Sie zusätzlich einen Privatauszug einreichen müssen, richtet sich nach dem konkreten Verfahren. Bestellen Sie deshalb nicht vorsorglich einen Auszug, sondern beachten Sie die Unterlagen und Weisungen der zuständigen Stelle.
Was bedeutet ein leerer Privatauszug?
Ein Privatauszug ohne Urteil bedeutet, dass am Ausstellungsdatum kein Urteil darin erscheint. Das ist nicht gleichbedeutend damit, dass in VOSTRA keinerlei Daten gespeichert sind oder noch nie eine Verurteilung vorlag: Die Fristen für das Erscheinen im Privatauszug sind teilweise kürzer als die Fristen für die Entfernung aus VOSTRA.
Es gibt keine allgemeine gesetzliche «Gültigkeitsdauer» für jeden Verwendungszweck. Die empfangende Stelle kann einen aktuellen Auszug verlangen. Bei einem Papierauszug ohne Urteil kann die inhaltliche Echtheit über den amtlichen Prüfdienst nur geprüft werden, wenn er höchstens sechs Monate alt ist. Ein digital gesiegelter Auszug bleibt als Dokument gültig; der Download-Link steht jedoch nur 60 Tage zur Verfügung und der Inhalt widerspiegelt immer den Stand am Ausstellungsdatum.
Wie bestelle ich einen Auszug?
Online oder am Postschalter
Offizielle Bestellungen sind online über strafregister.admin.ch oder persönlich an einem Schweizer Postschalter möglich. Bei der Onlinebestellung erfassen und bezahlen Sie den Antrag elektronisch. Anschliessend müssen Sie das Formular ausdrucken, unterschreiben und zusammen mit einer Ausweiskopie per Post einsenden. Für den Sonderprivatauszug ist zusätzlich die Bestätigung der verlangenden Stelle erforderlich. Am Postschalter weisen Sie sich mit einem gültigen amtlichen Ausweis aus.
Der Auszug kann auf Papier oder als digital gesiegeltes PDF bestellt werden. Nur Sie dürfen einen Auszug über Ihre Person bestellen; Dritte haben keinen freien Zugang. Eine Zustellung an eine andere Stelle setzt Ihre Mitwirkung beziehungsweise Einwilligung voraus.
Kosten und Dauer
Der Privatauszug und der Sonderprivatauszug kosten amtlich je CHF 17. Eine Beglaubigung oder Apostille für die Verwendung im Ausland kostet zusätzlich. Das Bundesamt für Justiz nennt für vollständig eingereichte Onlinebestellungen ungefähr zwei Arbeitswochen ab Übergabe der Unterlagen an die Post; eine Expressbearbeitung gibt es nicht. Die aktuelle Frist steht auf dem Bestellformular.
Achten Sie auf die Internetadresse. Das Bundesamt für Justiz warnt vor Webseiten, die nur kostenpflichtige Anleitungen oder eine teurere Vermittlung anbieten.
Darf ein Arbeitgeber einen Privatauszug verlangen?
Nicht systematisch und nicht unabhängig von der Stelle. Nach Artikel 328b OR dürfen Arbeitgeber nur Personendaten bearbeiten, welche die Eignung für das konkrete Arbeitsverhältnis betreffen oder für die Durchführung des Arbeitsvertrags erforderlich sind. Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte nennt insbesondere Vertrauenspositionen oder Tätigkeiten mit Kundenkonten, Kasse, Tresor, wertvollen Waren oder hohen Geldbeträgen als mögliche Beispiele.
Eine pauschale Kontrolle sämtlicher Bewerber:innen oder Mitarbeitenden ist nicht gerechtfertigt. Dasselbe gilt für systematische Fragen nach Vorstrafen ohne Bezug zur Stelle. Weil es keinen auf einzelne Deliktsarten zugeschnittenen Privatauszug gibt, muss die verlangende Stelle besonders sorgfältig prüfen, ob der vollständige sichtbare Inhalt für die konkrete Tätigkeit wirklich benötigt wird. Sie muss transparent informieren, den Zugriff auf wenige berechtigte Personen beschränken, die Daten schützen und sie löschen, sobald sie nicht mehr erforderlich sind.
Was gilt bei Vereinen, Schulen und im Gesundheitsbereich?
Bei einer qualifizierenden Tätigkeit mit regelmässigem Kontakt zu Kindern oder anderen besonders schutzbedürftigen Personen kann ein Verein oder eine Organisation die Bestätigung für einen Sonderprivatauszug ausstellen. Dass das Strafregistergesetz diese Bestellung ermöglicht, bedeutet aber nicht, dass jeder Verein seit einem bestimmten Datum ausnahmslos von allen Betreuungspersonen einen Auszug einholen muss.
Eine Pflicht kann sich im Einzelfall aus Spezialrecht, kantonalen Bewilligungsregeln, Vorgaben einer zuständigen Behörde oder verbindlichen Schutz- und Anstellungsregeln ergeben. Unabhängig davon bleibt der Sonderprivatauszug nur ein Teil eines Schutzkonzepts. Auswahl, Referenzen, klare Verhaltensregeln, Meldewege und Aufsicht werden dadurch nicht ersetzt.
Darf ein Vermieter einen Strafregisterauszug verlangen?
Vermieter:innen haben kein allgemeines gesetzliches Recht auf Einsicht in die strafrechtliche Vergangenheit von Mietinteressierten. Auch bei der Wohnungsbewerbung gelten Zweckbindung und Verhältnismässigkeit des Datenschutzrechts. Für die Beurteilung der Zahlungsfähigkeit ist regelmässig der Betreibungsregisterauszug das sachnähere Dokument.
Die Bestellung eines Privatauszugs ist zwar auch für eine Wohnungsmiete technisch möglich. Daraus folgt jedoch nicht, dass jede entsprechende Forderung datenschutzrechtlich gerechtfertigt ist. Fragen Sie nach dem konkreten Grund, dem Empfängerkreis und der Löschung. Umgekehrt begründet die Weigerung, einen nicht überzeugend begründeten Auszug vorzulegen, keinen Anspruch auf Abschluss des Mietvertrags.
Was tun bei einem falschen Eintrag oder einer problematischen Forderung?
Enthält Ihr Privatauszug nach Ihrer Auffassung einen Fehler, senden Sie dem Schweizerischen Strafregister beim Bundesamt für Justiz den Auszug, eine Ausweiskopie und eine genaue Kennzeichnung des beanstandeten Punktes. Gesetzliche Fristen können nicht auf Antrag verkürzt werden; fehlerhafte Daten können dagegen berichtigt werden.
Verlangt eine Stelle einen Auszug, ohne den Bezug zur Tätigkeit oder zum Zweck zu erklären, bitten Sie schriftlich um Begründung. Klären Sie, welche Auszugsart benötigt wird, wer Einsicht erhält und wann Kopien gelöscht werden. Geben Sie einen digitalen Auszug nur in der amtlich gesiegelten Form weiter und verändern Sie die Datei nicht.
Wo JUSTIS unterstützen kann
Die JUSTIS-Versicherungsbedingungen 2026 erfassen unter anderem vertragliche Streitigkeiten mit Arbeitgebern und bestimmte Mietstreitigkeiten. JUSTIS Rechtsschutz Plus nennt zusätzlich Streitigkeiten im Datenschutzrecht. Eine Forderung während einer Bewerbung oder Wohnungssuche fällt jedoch nicht automatisch unter Arbeits- oder Mietrechtsschutz, weil möglicherweise noch kein Vertrag besteht. Ob Versicherungsschutz besteht, hängt von Produkt, Vertrag, Zeitpunkt und konkretem Streit ab.
Melden Sie sich deshalb frühzeitig, bevor Sie eine formelle Forderung stellen oder externe Vertretung beauftragen. Offizielle Informationen zu Inhalt, Bestellung, Kosten und Berichtigung finden Sie beim Bundesamt für Justiz. Hinweise zur Datenbearbeitung durch Arbeitgeber veröffentlicht der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte.
Bestellen oder übermitteln Sie einen Strafregisterauszug erst, wenn klar ist, weshalb er benötigt wird und ob der Privat- oder Sonderprivatauszug gemeint ist. Fragen Sie, wer das Dokument einsehen kann und wann es gelöscht wird. Verwenden Sie ausschliesslich den offiziellen Bestellweg über das Bundesamt für Justiz oder den Postschalter. Kommt es wegen einer unverhältnismässigen Forderung, eines Eintrags oder einer Benachteiligung zum Streit, sichern Sie die schriftliche Kommunikation und melden Sie sich frühzeitig bei JUSTIS. Eine allfällige Deckung richtet sich nach Ihrem Vertrag und dem konkreten Sachverhalt.
Gepostet am 26. August 2026